Montag, 25. Januar 2016

Europäischer Dachs (Meles meles)

Dachs


Einordnung

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Überfamilie: Hundeartige
Familie: Marder
Unterfamilie: Dachse
Gattung: Meles
Art: Europäischer Dachs



Der Europäische Dachs ist in fast ganz Europa verbreitet, ausgenommen die nördlichsten Teile Skandinaviens und einige Mittelmeerinseln. Außerdem lebt er in Teilen Asiens. Selten ist er oberhalb von 1700m anzufinden, in gebirgigen Lagen ausnahmsweise auf ca 2500m.
Bevorzugt bewohnt er hügelige, abwechslungsreiche Landschaften mit Bewaldung, Unterholz und Deckungsmöglichkeiten wie Hecken. Laubwälder zieht er Nadelwäldern vor.
Zur Nahrungsbeschaffung wagt der Dachs sich auch in landwirtschaftlich bewirtete Feldflure, jedoch selten in Siedlungsnähe.


Weitere Eckdaten

Tragzeit ca 45d, s.u.
Jungtiere 2-5
Aufzuchtszeit ca 2m
Alter in Gefangenschaft bis 15 Jahre
Gewicht 7-17kg


Spuren

Wie zu sehen, haben Dachse fünf Zehen, deren Abdrücke sich deutlich abzeichnen, und deutlich zu erkennende Krallen.


Trittsiegel des Dachses



Äußeres

Die Körperform des Dachses ist gedrungen, er hat einen schlanken, länglichen Kopf mit rüsselähnlich zulaufender Schnauze.
Das Hauptmerkmal des Dachses ist die schwarz-weiße Kopfzeichnung.
Der restliche Rückenbereich ist in silbergraues Fell gekleidet, das seine leicht changierende Färbung dadurch erhält, dass die Haare in den oberen 2/3 hell, darunter jedoch dunkel gefärbt sind. Die Unterseite des Tieres ist schwarzbraun. Je jünger das Tier, desto stärker fallen die Kontraste in der Fellfarbe aus. Umso älter ein Tier ist, desto heller wird es.
Die Pfoten sind kräftig und durch die die langen, abwärts gebogenen Krallen gut zum Graben geeignet. Die Krallen der Hinterpfoten sind nur halb so lang wie die der Vorderpfoten.
Gebiss

Die Reißzähne des Dachses sind nur wenig ausgebildet, sein Gebiss ist auf zu zerschneidende und zu zermahlende Nahrung ausgelegt.
Ausgewachsene Dachse haben 38 Zähne, es sind nicht selten jedoch weniger. Die Zahnformel lautet  I 3/3 – C 1/1 – P 4/4 M 1/2, hierbei bezieht sich die erste Angabe auf den Ober- die zweite auf den Unterkiefer.


Dachsschädel mit gut erkennbarem Gebiss


Sinnesorgane

Obwohl die Augen des Dachses an sein Leben in Dämmerung und Dunkelheit angepasst sind, sind sie relativ klein. Dachse können keine Farben erkennen und sind recht kurzsichtig, können jedoch Kontraste gut erkennen. Deshalb verlassen sie sich eher auf Gehör- und Geruchssinn denn auf ihr Augenlicht.
Dachse hören tiefe Töne etwa so gut wie Menschen, hohe Töne jedoch sehr viel besser. Es wird spekuliert, dass Dachse Ultraschalllaute wahrnehmen können.
Am wichtigsten für den Dachs ist sein Geruchssinn. Feste Wechsel, die zum Teil schon seit Jahrhunderten von Dachsen benutzt werden, markieren sie mit ihrem stark riechenden Analdrüsensekret.


Lebensweise

Dachse sind nachtaktiv und verbergen sich tagsüber meist in ihren meisterhaft angelegten Bauten, s.u.. Darin wohnen sie mit bis zu 12 Tieren. Im Wald folgen sie häufig gleichen Pfaden und hinterlassen dabei sogenannte Dachspässe. Der Kotabsatz erfolgt in kleinen Dachs-Abtritten, wo der Kot verscharrt wird, häufig in der Nähe eines Baumes.
Dachse sind nicht streng territorial, markieren aber wohl ihre Wege mit Duftdrüsensekret. Das hilft ihnen, sich gegenseitig zu erkennen und den Weg zurück zum Bau zu finden.
Dachse halten Winterruhe.


Bau

Dachse graben sich mit großer Kunstfertigkeit Bauten im Boden. Basis ist ein Wohnbau, der ca fünf Meter unter der Erde liegt und mit Blättern, Moos oder Farnen ausgepolstert wird. Mehrere Gänge führen vom Wohnbau oder Wohnkessel, der etwa 60cm hoch ist, nach draußen und fungieren neben ihrer Funktion als Zugänge oder Fluchtwege auch zur Luftzirkulation.
Dachsbauten werden nach dem Versterben ihrer Bewohner an die nächste Generation weitergereicht. Neue Dachsgenerationen graben weitere Wohnkessel und vergrößern den Bau somit. Das kann sich über Jahrhunderte hinstrecken.
Teilweise bewohnen Füchse und Dachse einen Dachsbau gemeinsam. Während Füchse wenig reinlich sind, halten Dachse ihre Bauten sauber. Auch Wildkaninchen nisten sich hin und wieder mit ein.
Ernährung

Je nach Jahreszeit ernährt der Dachs sich von dem, was die Natur ihm bietet. Ist weniger tierisches Protein zur Verfügung, begnügt er sich ähnlich wie ich auch mit pflanzlicher Nahrung. Sein Hauptnahrungsmittel sind Regenwürmer, im Frühling machen sie beinah die Hälfte seiner kompletten Nahrung aus. Ansonsten frisst er Larven, Nachtfalter, Käfer, weniger Schnecken oder Muscheln.
Auch Wühlmäuse jagt er häufig, hin und wieder auch Wildkaninchen, Maulwürfe und Spitzmäuse. Größere Tiere erlegt er nicht allein, labt sich aber an ihnen, wenn er Aas findet.
Vögel frisst er am liebsten als Küken noch im Nest oder Eier, das Erjagen erwachsener Vögel fällt ihm schwer. Je nach Lebensraum frisst er auch Fische, Amphibien und Reptilien, jedoch nur, wenn keine andere Beute zur Verfügung steht.
An pflanzlichen Ballaststoffen frisst der Dachs alles, was er finden kann, je nach Jahreszeit Feldfrüchte, Getreide, Obst, Beeren, Wurzeln und Knollen. Bauern ärgern sich über Dachse in ihren Feldern, da sie vor allem im Mais vermeintlich erheblichen Schaden anrichten können. Untersuchungen zeigen aber, dass die Schäden meist bei unter 100€ liegen.


Sozialverhalten

Dachte man noch vor einigen Jahrhunderten, der Dachs sei ein Einzelgänger, so weiß man heute, dass er in Familiengruppen mit einer Anzahl von 2 bis 12 Mitgliedern wohnt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, leben sogar noch mehr Tiere zusammen.
In diesen so genannten Klans gibt es einen dominanten Rüden und eine dominante Fähe, die sich als einzige fortpflanzen. Ist das Streifgebiet sehr groß, kann auch eine nicht dominante Fähe trächtig werden. Außer erwachsenen Dachsen leben noch die Jungtiere des aktuellen, mitunter auch des letzten Jahres.
Dachse sind familiär eng verbandelt, alte und kranke Tiere werden nicht verstoßen oder getötet, sondern mit versorgt. Nur friedliebend sind Dachse aber auch nicht- es gibt Kämpfe um die Rangordnung und in der Paarungszeit. In ihrer Freizeit lieben Dachse gute Filme, lange Spaziergänge am Strand und gegenseitige Fellpflege. Nur einer dieser Fakten ist korrekt.
Je nach Alter sind Dachsfähen zu unterschiedlichen Zeiten für vier bis sechs Tage ranzig, also paarungsbereit. Ein- bis zweijähriger Fähen sind im Juni und Juli in der Rollzeit, ältere kurz nach der Geburt der Jungtiere im Frühjahr. Wenn das Weibchen versucht, sich mit einem anderen als dem dominanten Rüden zu paaren, kämpfen die Rüden.
Schon beim Baummarder haben wir von der Keimruhe gehört, zur Erinnerung: Hierbei nistet sich die befruchtete Eizelle nicht direkt in die Gebärmutterschleimhaut ein, sondern verbleibt in einer bis zum Winter stillgelegten Keimblase. Im Herbst frisst die Fähe soviel sie nur kann, um möglichst große Fettreserven zu haben. Zugleich werden vermehrt Hormone produziert, die sich mit in der Fettschicht anlagern. Wenn diese aufgebraucht werden, werden auch die Hormone in den Körper ausgeschüttet und sind dann in ihrer Konzentration ausreichend, um ein Einnisten in die Gebärmutterschleimhaut zu bewirken. Danach beträgt die Tragzeit etwa 45 Tage.


Junger Dachs beim Erkunden


Feinde

In heutigen Tagen hat der Dachs, abgesehen vom Menschen, kaum noch natürliche Feinde. Als sie in Deutschland noch verbreitet waren, bejagten Luchse, Wölfe und Braunbären den Dachs. Dachse fallen hin und wieder Verkehrsunfällen zum Opfer. Ihr Bestand reguliert sich weitestgehend selbst durch das Nahrungsangebot und aufkommende Infektionskrankheiten. 


Mensch und Dachs

Früher hatte der Dachs sowohl im medizinischen als auch im nahrungsliefernden Bereich eine wichtige Bedeutung für den Menschen inne, während er heute in dieser Hinsicht kaum noch beachtet wird.
Im Mittelalter bis hinein in die frühe Neuzeit wurde Dachsfett als Einreibemittel zB gegen rheumatische Beschwerden verwendet, woher vielleicht auch sein Beiname "Schmalzmann" stammt.
Außerdem hielten Dachse oder zumindest ihre Borsten Einzug in die Boudoirs und Bäder. Frauen hatten Dachshaarbürsten, Männer verwenden Dachshaare bis heute in ihren hochwertigen Rasierpinseln, auch Dachszupf genannt. Auch in der Kunst werden Dachshaarpinsel von Malern verwendet. Meistens werden Dachshaare aus China verwendet. Ein Strauß aus Dachshaaren, Dachsbart genannt, wird gerne von Jägern am Hut getragen.


Alter chinesischer Dachshaarkalligraphiepinsel


Gefährdung

Dachse wurden bis zu den 1970ern unfreiwillige Opfer einer Begasungsaktion gegen Füchse, da sie sich ihre Bauten teilen. Dadurch dezimierte sich der Dachsbestand stark. Bis heute hat er sich allerdings weitestgehend erholt. Je nach Bundesland darf der Dachs zu unterschiedlichen Zeiten bejagt werden, da er Niederwild schädigt. Da er nachtaktiv und scheu ist, wird er selten geschossen, sondern viel mehr mit Fallenjagd bejagt.
Der Dachs wird als nicht gefährdet eingestuft.


Mythologie

In zahlreichen Regionen der Erde ist der Dachs Bestandteil von Kultur und Legenden.
Bei den Kelten galt er als mutig und hartnäckig, was von ihnen sehr geschätzt wurde. Er wurde als unnachgiebig und dickköpfig gesehen. Aus seinem Kopf wurden Geldbeutel hergestellt, die Geld ganz besonders sicher verwahren sollten.
Die Schoschonen kennen eine Erzählung, in der ein Dachs Menschen auf der Flucht behilflich war. Er grub ihnen ein Loch, in dem sie Unterschlupf fanden, und präparierte ein weiteres Loch für die Verfolger, die hineinfielen und von dem Dachs im Loch vergraben worden. Der Dachs hat sich so als Retter in der Not etabliert.
Bei den Hopi hat ein Dachs ein schwer krankes Kind gerettet. Der Älteste des Stammes ging in den Wald und suchte dort nach einer Medizin. Er fand eine Dachsspur und folgte ihr bis zum Bau, wo der Dachs aus dem Bau kam und ein Heilkraut ausgrub, welches dem Kind das Leben rettete.


Erkrankungen

Vor allem in Großbritannien fungiert der Dachs als Vektor, also Überträger für die Rindertuberkulose. Die Zahl der Erkrankungen stieg 2013 an, sodass von der Regierung beschlossen wurde, die Zahl der Dache zu dezimieren. Tierschützer sind dagegen. In Wales wird versucht, die Dachse dort zu impfen, um die Krankheitsausbreitung einzuschränken.
Wie alle Wildtiere können sie unter Ekto- und Endoparasiten leiden, haben jedoch im Schnitt weniger Ektoparasiten als andere Tiere, da sie häufig die Polsterung im Bau oder gar den Bau selber wechseln und sich gegenseitig pflegen.
Wichtige Erkrankungen, die auch für unsere Haushunde von Bedeutung sind, sind Staupe und Tollwut. Staupe endet häufig tödlich und ist eine virale Erkrankung. Sie kann sich in Magen- Darm- Symptomen oder Zentralnervösen Störungen äußern. Um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren, sollte der im Wald freilaufende Hund auf jeden Fall gegen Staupe geimpft werden.
Auch ein Risiko der Tollwuterkrankung besteht. Auch wenn Deutschland offiziell tollwutfrei ist, kann man nicht ausschließen, dass irgendwo unentdeckt ein Tier an Tollwut erkrankt ist.

Quellen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Kommentare:

  1. Whaaahh! Ein neuer Beitrag! Wie schön! *freu* Hab neulich (höhö, letztes Jahr) noch gedacht, wie schade, dass du keine neuen Tiere vorstellst.

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    1. Ohh, ein Mitleser! :D Freut mich, eine Rückmeldung zu hören! Vielleicht komme ich jetzt mal wieder häufiger zum Schreiben, auch wenn es definitiv nicht wöchentlich sen wird ;)

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